Ratschläge sind auch Schläge

Meine Erfahrungen mit ungewollten, gut gemeinten Ratschlägen anderer Menschen


Ich bin gerade äußerst zufrieden mit der Wahl meiner Überschrift. Keine wäre passender gewesen, keine treffender, denn Ratschläge können wehtun, das musste ich am eigenen Leib spüren. Kaum ist eine Frau schwanger, beginnt die Umwelt zu glauben, die werdende Mutter benötige Ratschläge. Gut gemeinte Ratschläge, um die nicht gebeten wurden, werden einem in einer abartigen Geschwindigkeit entgegen geschossen und lösen dabei meist bloße Verunsicherung aus. Erfahrung lehrt, das mag schon stimmen, jedoch sollte jede Mama ihre eigenen Erfahrungen machen dürfen. Oder?


Mütter haben einen Instinkt, einen Mutterinstinkt. Das ist gut so und von Natur aus so angelegt. Damit will ich sagen, dass jede Mama von Natur aus weiß, was am besten für ihr Kind ist, was ihm guttut, wieviel das Baby isst, wie warm es gekleidet ist, wie und wo es schläft...


(Rat-)Schläge verunsichern und sind der größte Feind des Mutterinstinkts.

Duden:

einzelner [im Hinblick auf ein ganz bestimmtes Problemo. Ä. gegebener] Rat


Blöd nur, wenn, zumindest zuvor, kein Problem vorliegt.




Ich wurde im Jänner Mama, zum ersten Mal und wusste nicht, besser gesagt ich ahnte nicht, was auf mich zukommen würde. Ich teile bis heute gerne mein Leben als Jungmama, meinen Alltag mit Levi, mit der Öffentlichkeit, klar, dass ich viele Reaktionen bekomme, mit den gutgemeinten, oft ziemlich forschen Ratschlägen komme ich jedoch immer noch ziemlich schwer klar, denn ich bin mir meiner Sache und meiner Verantwortung als Mama bewusst. Niemand muss mein Kind beschützen oder gar retten. Niemand.  

Was ich von Anfang an wusste, ist, dass ich keine ängstliche Mama sein will.



Im Masterstudium Traumapädagogik wurde ich dadurch bestätigt:

Ängste können an das Kind übergeben werden, die Folge sind ängstliche, verunsicherte Erwachsene, die sich nichts zutrauen.

Genau das will ich nicht und ich bin wirklich froh, auch keine ängstliche Mama zu sein. Auch vielleicht ein Mitgrund warum mein Sonnenschein ein wirklich ausgeglichenes, fröhliches Baby ist, das 90% des Tages lächelt.

Levi darf die Welt entdecken, er darf essen/trinken wann er hungrig ist und wieviel ist auch seine Sache. Noch nie habe ich mitgezählt oder darüber nachgedacht. Er nimmt zu und ist satt. Wozu Gedanken machen, dass ein anderes Baby das Doppelte trinkt? Er darf sich am Boden umdrehen und beim Spielebogen anstoßen, was er so lange versucht, bis er den Spielebogen verschiebt oder es in die andere Richtung versucht. Ich helfe ihm nicht, ich beobachte, wie er selbst einen Weg findet. Auch der Hund darf seine Hände abschlecken und ich habe keine Angst vor Keimen. Desinfektionsmittel kenn ich nicht. Der Schnuller, der zu Boden fällt, wird abgeschleckt (trotz möglicher Karies) und wieder in den Mund gesteckt und es wird definitv nicht täglich gesaugt. Das Kind wird alle paar Tage gebadet, weil ich es täglich einfach übertrieben finde. Auch den Body, den er in der Früh angezogen bekommt, trägt er 24h, manchmal wird ihm einfach kein Pyjama angezogen und er schläft im selben Body - so what? Letztens bekam der kleine Mann ein von Mama vorgekautes Pommes in den Mund geschoben, was sicher mit sechs Monaten nicht empfohlen wird, die Freude war groß. Achja und das Stillen habe ich aufgegeben (Blogbeitrag: Der Genuss nicht zu stillen) aus teilweise egoistischen Gründen und weiter? Ich nehme ihn überall mit hin, Levi wird von anderen Personen lächelnd herumgetragen, immer in meinem Beisein und bei Omi schläft er einmal im Monat seit dem er 8 Wochen alt ist.

Solange mein Kind gesund und fröhlich ist, eine unglaubliche Neugierde und Appetit zeigt, solange Menschen um ihn sind, die ihn lieben, trösten und seine Bedürfnisse wahrnehmen, solange geht es ihm auch gut, egal ob er in Tirol, Wien, Berlin, der Toskana oder bei den Großeltern ist.  Das sagt mir mein Mutterinstinkt.

(Rat-)Schläge, die ich bekommen habe seit Levi auf der Welt ist,, alle gesammelt als Screenshots,

Damals war ich genervt und verunsichert, heute machen sie mich einfach traurig, dass diese Lawine sein musste und so viele Mamas verunsichert.

Vor der Geburt: Der Blogbeitrag „Die Sache mit dem Namen“ ging online, meine Auswahl an Namen wurde vorgestellt und gefiel nicht jedem


!!! Die Namen sind aber nicht schön, XXX würde mir gefallen. Wie egoistisch kann man sein, nur an seinen eigenen Geschmack zu denken, das arme Kind !!!


Das kam von einem Familienmitglied und hat mich unglaublich verletzt und wütend gemacht. Den schlimmsten Namen hat er bekommen: Levi <3

14. Jänner: 2 Tage alt, Levi wird von Papa in Babyschale abgeholt und zum Auto getragen, er trägt einen Overall





!!! Keine Schnee-/Winteranzüge in der Babyschale, Baby hat bei Autounfall keinen Halt und rutscht heraus !!!


Sollte ich ihm im Jänner nur zudecken? Siehe nächste Warnung...








16. Jänner: 4 Tage alt, 1. Tag zuhause, Levi liegt im Stubenwagen, Hände heraußen, Decke bis zur Brust, der Urliopa besucht ihn zum ersten Mal





!!! Aufpassen mit der Decke - Erstickungsgefahr !!!


Sollte ich jetzt Angst haben, oder ihn nicht mehr zudecken?







19. Jänner: 1 Woche alt, die erste Babytrage wird stolz ausgepackt


!!! Trage nicht verwenden! Anhock-Spreizhaltung ist nicht gut - Trageberatung machen!!!


Okay, zur Kenntnis genommen.

20. Jänner: 8 Tage alt, Kuscheln mit Levi, btw. mein Geburtstag





!!! Du hast eine Fieberblase, das kann dein Kind töten, nicht kuscheln !!!


Ah geh... Ich bin mir über meine Fieberblase bewusst und küsse schweren Herzens meinen kleinen Buben nicht, ich passe auf, weil ich mein Kind nicht gefährden will.









21. Jänner: 9 Tage alt, endlich rausgefunden, dass Levi am besten schläft mit Tuch/Polster ober und/oder neben dem Kopf


!!! Tu das ja nicht, das fördert den plötzlichen Kindstod !!!


Ein Thema an das ich gar nicht denken will, ich will keine Angst davor eingeredet bekommen. Der plötzliche Kindstod ist das Schlimmste, was passieren kann und für mich Schicksal. Niemand hat tatsächlich herausgefunden, warum so etwas passieren muss. Levi schläft immer noch so, teilweise mit dünnem Tuch ÜBER den Kopf.

23. Jänner: 11 Tage alt, ich lehne am Wickeltisch, und zeige die Bilder die darüber hängen, Levi liegt frisch gewickelt darauf


!!! Lass NIE, NIE, NIE dein Kind alleine da liegen !!!


Jetzt bin ich wütend! Er liegt nicht alleine am Wickeltisch, wird sich erst 4 Monate später umdrehen können und bewusst ist es mir auch. Danke...

27. Jänner: 2 Wochen alt, ganz stolz zeige ich mein neues Tragetuch, der erste Versuch es zu wickeln


74 Warnungen kamen, anfangs war ich dankbar, später wütend. Hier einige davon:


!!! Keinen Strampler im Wickeltuch, das schnürt die Beine ab !!!

!!! Baby sitzt zu tief, du musst die Stirn küssen können !!! (Für die Info war ich dankbar, die empfand ich als hilfreich)

!!! Die Beine sind nicht im rechten Winkel !!!

!!! Mach eine Trageberatung, du schadest deinem Kind !!!

!!! Sieht aus, als wär es zu eng !!!


usw. ... meine Freude war dahin!



11. Februar: Fast ein Monat alt, der kleine Mann, ich stille, das zeige ich, Levis Kopf bedeckt meine halbe Brust


!!! Große Kritik: Deine Brust und deine Intimsachen gehen niemanden etwas an, vor allem nicht als Lehrerin !!!


Autsch, das saß! Ich zeige weder Nacktheit noch Erotik, ich stille lediglich mein Baby.


ZWEI WOCHEN (ZWANGS-)INSTAGRAMPAUSE FOLGTEN


Kaum zurück,...


1. März: Eine weitere Trage kam, auch diese wurde vorgestellt


!!! Niemals mit dem Gesicht nach vorne das Baby tragen !!!


Aus heutiger Sicht: Levi hasst es, nichts zu sehen und versucht immer seinen Kopf zu drehen, was nur geht. Ich habe ihn noch nie nach vorne getragen, werde es mit Sicherheit aber mal machen.

23. März: Mein Blogbeitrag „Der Genuss nicht zu stillen“ ging online, halleluja...








!!! Du hast aufgegeben und nicht gekämpft. Armes Baby. !!!


Dazu keine Worte...










April: Odin nähert sich nach drei Monaten das erste Mal dem Kleinen


!!! Hoffentlich wächst er nicht mit einem zerfetzten Gesicht auf !!!


Ebenfalls keine Worte...

Unzählig weitere gibt es davon, obwohl es glücklicherweise weniger wurden. Erst letzte Woche als ich an einem kühlen, windigen Tag ein Tuch über den Kinderwagen legte, um für Schatten zu sorgen, bekam ich Warnungen, das Kind könne darunter einen Hitzekollaps erleiden.

Ich achte auf mein Kind, schenkt mir doch das Vertrauen, das ich selbst in mich habe und überlegt erstmal, ob ihr das einer beliebigen Person auf der Straße auch sagen würdet!?

Liebe Mamas hört auf euch, euer Gefühl. Ich weiß, dass alle Ratschläge gut gemeint sind und ich hoffe, es ist mir niemand böse, jedoch können solche ungebetenen Hinweise Mütter sehr verunsichern und das ist das letzte, was ein Baby braucht.

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